Trauma verstehen: Wie dein Nervensystem Schutz sucht und durch den Atem wieder Ruhe findet
Montag, 9. März 2026 von Sandra Caminada Trauma und Nervensystem regulieren durch verbundene Atemarbeit in Diegten.
Manche Spannungen sitzen tiefer als unsere Gedanken. Erfahre, warum dein Körper im Alarmmodus bleibt und wie du durch sanftes, verbundenes Atmen deinem Nervensystem wieder Sicherheit schenken kannst. Ein Weg zurück zu innerer Ruhe und echter Verkörperung.
Wie sich Trauma im Nervensystem zeigt – und wie verbundene Atemarbeit Regulation unterstützen kann
Vielleicht kennst du dieses Gefühl, ständig unter Strom zu stehen, ohne genau zu wissen, warum. Oder du fühlst dich innerlich wie „abgeschnitten“ von der Welt. Oft fragen wir uns dann: „Was stimmt nicht mit mir?“
Doch häufig geht es nicht um ein „falsches Funktionieren“, sondern um ein Nervensystem, das gelernt hat, wachsam zu bleiben.
Trauma bedeutet ursprünglich „Wunde“
Der Begriff Trauma stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich Wunde.
Dabei geht es nicht nur um körperliche Verletzungen. Auch Erfahrungen, die unser Nervensystem überfordern, können eine Spur im Körper hinterlassen.
Trauma beschreibt daher weniger das Ereignis selbst als vielmehr die Reaktion unseres Nervensystems auf eine überwältigende Erfahrung.
Auch in Die Weisheit des Traumas wird diese Perspektive aufgegriffen: Trauma ist oft das, was im Inneren zurückbleibt, wenn eine Erfahrung zu überwältigend war, um vollständig verarbeitet zu werden.
Der Körper versucht dabei nicht zu versagen – sondern zu schützen.
Wie das Nervensystem reagiert
Wenn eine Situation unsere Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt, aktiviert das autonome Nervensystem automatische Schutzmechanismen:
Diese Reaktionen sind evolutionär sinnvoll und sichern unser Überleben.
Manchmal findet das Nervensystem nach einem belastenden Ereignis jedoch nicht vollständig zurück in einen Zustand von Sicherheit. Eine Form von innerer Alarmbereitschaft oder Rückzug kann bestehen bleiben.
Trauma ist daher keine Schwäche.
Es ist eine Schutzreaktion, die im Nervensystem gespeichert bleibt.
Warum der Körper sich erinnert
Erfahrungen werden nicht nur kognitiv verarbeitet, sondern auch körperlich.
Forschung aus der Traumaforschung – unter anderem durch Bessel van der Kolk – zeigt, dass belastende Erfahrungen auch im Körpergedächtnis gespeichert sein können.
Der Kopf hat vielleicht gelernt weiterzugehen oder bestimmte Erfahrungen zu verdrängen. Der Körper jedoch kann weiterhin in Alarmbereitschaft bleiben – als würde ein Teil des Nervensystems noch immer auf Flucht vorbereitet sein.
Das erklärt, warum manche Reaktionen auftreten, obwohl der bewusste Zusammenhang nicht mehr klar erkennbar ist.
Der Körper erinnert sich – auch dann, wenn der Verstand längst weitergegangen ist.
Die Rolle des Vagusnervs
Ein wichtiger Bestandteil der Regulation unseres Nervensystems ist der Vagusnerv.
Er ist der größte Nerv des parasympathischen Nervensystems und spielt eine zentrale Rolle dabei, wie der Körper zwischen Anspannung und Entspannung wechseln kann.
Wenn wir uns sicher fühlen, wird der Vagusnerv aktiviert. Der Herzschlag beruhigt sich, die Atmung wird ruhiger und der Körper kann beginnen, Spannungen abzubauen.
Atemarbeit kann diesen Prozess unterstützen, weil der Atem direkt mit dem Nervensystem verbunden ist.
Der Vagusnerv – Dein innerer Pfad zur Ruhe und Regulation
Wenn wir tief und verbunden atmen, aktivieren wir den Vagusnerv. Er ist der Dirigent deiner inneren Ruhe und hilft deinem Körper, von der Alarmbereitschaft zurück in einen Zustand von Sicherheit und Geborgenheit zu finden.
Atem-Heilkraft-Tipp: Der „Sicherheits-Anker“ im Alltag
Wenn du merkst, dass Stress oder alte Muster dich überfluten, probiere diesen kleinen Kniff:
Lege eine Hand auf dein Herz und die andere auf deinen Bauch. Atme sanft durch die Nase ein und lass den Ausatem etwas länger als den Einatem durch den leicht geöffneten Mund ausströmen (wie durch einen Strohhalm). Spüre dabei den Kontakt deiner Hände. Dieses bewusste Spüren der Körpergrenzen in Verbindung mit dem langen Ausatem signalisiert deinem Vagusnerv sofort eine erste Entspannung.
Die Rolle der verbundenen Zwerchfellatmung
In meiner Arbeit nutze ich eine verbundene Zwerchfellatmung.
Der Atem fließt dabei kontinuierlich ein und aus, ohne bewusste Pause zwischen Ein- und Ausatmung. Das Tempo bleibt moderat – es geht nicht um extreme Aktivierung oder Hyperventilation.
Ein Bild, das vielen Menschen hilft, diesen Prozess zu verstehen, ist das der Wellen im Meer:
Der Atem kommt wie eine Welle –
und fliesst wieder zurück.
Mit jeder Welle kann sich im Körper etwas bewegen, lösen oder verändern.
Viele Menschen berichten während solcher Prozesse von einer veränderten Körperwahrnehmung. Manche spüren ein Kribbeln, ein Pulsieren, Wärme oder Kälte. Manchmal zeigen sich auch Bereiche im Körper, die sich zunächst wie Spannung oder Blockade anfühlen.
Auch das Zeitgefühl verändert sich häufig. Viele erleben den Prozess, als würde der Körper in einen eigenen Rhythmus finden.
Gleichzeitig wird der innere Gedankenstrom oft ruhiger. Statt vieler Gedanken treten Gefühle und körperliche Empfindungen stärker in den Vordergrund.
In diesem Raum können sich auch Emotionen zeigen, die lange im Körper gespeichert waren.
Der Körper lässt sich auf diesen Prozess jedoch nur ein, wenn er sich sicher fühlt. Deshalb sind in der traumasensiblen Atemarbeit Sicherheit, Ruhe und Geborgenheit zentral.
Aus der Neurobiologie wissen wir, dass der Körper in einem Zustand von Sicherheit beginnen kann, gespeicherte Spannungen zu regulieren. Das kann sich durch Zittern, Bewegung oder emotionale Entladung zeigen – ähnlich wie Tiere in der Natur nach einem Schreck den Stress aus dem Körper abschütteln.
Dabei geht es nicht darum, Trauma „wegzumachen“. Vielmehr kann Atemarbeit einen Raum öffnen, in dem Emotionen und körperliche Spannungen Ausdruck finden dürfen.
Viele Menschen erleben genau darin eine Form von innerer Erleichterung oder Ruhe.
Fazit
Trauma ist keine Identität.
Es ist die Spur eines Nervensystems, das versucht hat zu überleben.
Und was aus Schutz entstanden ist, darf sich verändern, wenn Sicherheit wieder erfahrbar wird.
Der Atem begleitet uns ein Leben lang.
Und manchmal wird er zu einem Weg, dem eigenen Nervensystem wieder zuzuhören.
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Möchtest du lernen, wie du dein Nervensystem regulieren und dein Zwerchfell entspannen kannst? Ich freue mich darauf, dich in einer 1:1 Sitzung in Diegten zu begleiten oder dich bei der nächsten Breathwork-Gruppe am 15. April um 18.00 Uhr zu begrüssen.
Ich freue mich darauf, dich in Diegten zu begleiten und gemeinsam einen Raum für dein einfaches Sein zu schaffen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und Inspiration. Er ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung.
FAQ – Häufige Fragen zu Trauma und Atemarbeit
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Was ist traumasensible Atemarbeit?
Es ist eine Form der Begleitung, bei der Sicherheit und die Kapazität des Nervensystems im Vordergrund stehen, um Überforderung während des Atmens zu vermeiden.
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Wie hilft der Vagusnerv bei Trauma?
Der Vagusnerv ist der Hauptnerv der Entspannung. Durch gezielte Atemtechniken kann er stimuliert werden, um den Körper aus dem Überlebensmodus (Kampf/Flucht) zurück in die Ruhe zu führen.
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Kann Atemarbeit alte Blockaden lösen?
Ja, die verbundene Zwerchfellatmung kann den Zugang zu körperlich gespeicherten Emotionen ermöglichen und dem Körper helfen, diese in einem sicheren Rahmen zu integrieren.
